Praktisch vom ersten Tag ihres Bestehens sind sich die Architekten von gmp – von Gerkan, Marg und Partner der Bedeutung ihres Fachs für den Umwelt- und Klimaschutz bewusst. Um diese Erkenntnis noch stärker auch im öffentlichen Bewusstsein zu verankern, lud das größte deutsche Architekturbüro in verschiedenen Städten weltweit zu seiner Ausstellung „UMBAU.Nonstop Transformation“ ein.
„In Zeiten des drohenden Klimawandels interessieren wir uns bei Industrie- und Konsumgütern zunehmend für die Herstellungsbedingungen, die Produktions- und Lieferketten, die Schadstoffe, die Energiebilanz und die Lebenszyklen“, schreibt Nikolaus Goetze, seit 1998 Partner beim Architekturbüro gmp, auf der Ausstellungs-Website umbau.gmp.de. „Das Image von Produkten hat sich innerhalb von weniger als einer Generation völlig verändert. Das glänzende neue SUV steht für Ressourcenverschwendung, während Kleidung aus dem Secondhand-Laden als kluge Nachhaltigkeit gilt. In der Architektur ist das nicht anders. Der sorgsame Umgang mit dem Vorhandenen und dem Bestehenden ist das Gebot der Stunde. In der Theorie hat die Architektur diese Haltung schon vor einem halben Jahrhundert übernommen.“
Als Experten für eine solche Transformation fielen gmp einem breiteren Publikum mit dem Umbau und der Überdachung des Berliner Olympiastadions (2000 bis 2004) auf. Die berühmte Sportstätte im Herzen der Hauptstadt ist nur eines von bislang 80 Umbauprojekten, die gmp seit Mitte der 1970er umgesetzt hat beziehungsweise aktuell realisiert oder plant. Das Dilemma dabei: „Auf den ersten Blick ist häufig kaum zu erkennen, dass die Architekten überhaupt etwas gemacht haben“, so Goetze. Lapidar formuliert: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts“. Erst heutzutage sei es langsam akzeptiert, ja sogar geschätzt, wenn der Charakter von identitätsstiftenden Gebäuden und Räumen erhalten und die persönliche Handschrift des Architekten im Hintergrund bleibe. „Meinhard von Gerkan nannte dieses Prinzip, das bis heute unsere Kernphilosophie beschreibt, ‚designing in dialogue‘ – Gestalten im Dialog“, betont Goetze.
Die bereits in 2023 gestartete Wanderausstellung „UMBAU.Nonstop Transformation“ setzte in jeder der vier besuchten Städte (Venedig, Hamburg, New York und Berlin) einen anderen Schwerpunkt. Im Goethe-Institut im Big Apple beispielsweise ging es vor allem um die aktuellen globalen Herausforderungen beim Umbau. Die Transformation von Hochhäusern thematisierte sie dabei ebenso wie den Umbau von Kultur- und Sportbauten in Europa und Asien – darunter das jüngst fertiggestellte Estadio Santiago Bernabéu in Madrid und die Isarphilharmonie in München.
Doch gmp beherrscht nicht nur die Transformation bestehender Bauten, sondern auch die Erschaffung innovativer Neubauten – ein herausragendes Beispiel dafür ist der Berliner Hauptbahnhof, der als zentraler Verkehrsknotenpunkt und architektonisches Meisterwerk gilt.
Das eindrucksvolle Können von gmp zeigt sich bei der umfassenden Modernisierung der Alsterschwimmhalle in Hamburg, einem ikonischen Bauwerk, das behutsam an moderne Anforderungen angepasst wurde, ohne seinen architektonischen Charakter zu verlieren. Mit den Sanierungen des Pressehauses am Alexanderplatz in Berlin und des Dresdner Kulturpalasts bewiesen die Architekten, wie historische Gebäude zukunftsfähig gemacht werden können.
„Eine nachhaltigere Bauwirtschaft ist ohne eine drastische Zunahme von Umbauprojekten nicht denkbar“, bringt der deutsche Architekturjournalist, Autor und Kurator Florian Heilmeyer die Botschaft der gmp-Ausstellung auf den Punkt. „Die Erhaltung, Umwandlung und Umnutzung bestehender Gebäude sowie das Wiederverwenden und das Recyceln von gebrauchten Materialien, Bauteilen und Infrastrukturen ist nicht nur eine der ältesten Aufgaben der Architektur, sondern auch eine ihrer wichtigsten und aktuellsten Aufgaben zu Beginn des 21. Jahrhunderts.“





Titelbild: Alsterschwimmhalle in Hamburg Außenfassade(© Foto: Marcus Bredt)
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Alsterschwimmhalle in Hamburg Innenbereich(© Foto: Marcus Bredt)
Alsterschwimmhalle in Hamburg Außen (© Foto: Marcus Bredt)
Estadio Santiago Bernabéu Madrid (© Marcus Bredt) - Reihe (v.l.n.r.):
Estadio Santiago Bernabéu Madrid (© Marcus Bredt)
Berliner Hautpbahnhof (© Marcus Bredt)
Architekturbüro gmp
Unmittelbar nach Abschluss ihres Studiums gründeten Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg 1965 in Hamburg das Architekturbüro gmp. Von Gerkan, Marg und Partner gewannen noch im gleichen Jahr die Ausschreibung für den Flughafen Berlin-Tegel. Rund 600 Mitarbeiter beschäftigt gmp heute an den zwei Hamburger Standorten sowie in den Niederlassungen in Aachen, Peking, Shanghai, Shenzhen und Hanoi. Das größte deutsche Architekturbüro gilt als erfolgreichstes europäisches in China und vor allem im Stadionbau als weltweit führend.

